Die Nachwuchsabteilung des Eissport Verein Duisburg wächst. Mehr Mannschaften, steigende Mitgliederzahlen und eine kontinuierliche Weiterentwicklung der sportlichen Ausbildung sorgen gleichzeitig dafür, dass auch die Anforderungen an den Standort Duisburg steigen. Eine zentrale Rolle spielen dabei ausreichende Eiszeiten und die zukünftigen Vorgaben des Deutschen Eishockey Bundes.

Aktuell gehen für die Jungfüchse elf Nachwuchsmannschaften von der U7 bis zur U20 an den Start. In vier Altersklassen ist der EVD inzwischen mit zwei Mannschaften vertreten. Insgesamt gehören 254 Spielerinnen und Spieler zum Nachwuchsbereich. 142 davon sind zwölf Jahre oder jünger. Hinzu kommen mittlerweile 25 Mädchen.

„Wir platzen aus allen Nähten“, beschreibt Nachwuchs Sportdirektor Daniel Galonska die aktuelle Situation.

Diese Entwicklung ist erfreulich, stellt den Verein aber gleichzeitig vor neue Aufgaben. Denn mit steigenden Spielerzahlen wächst auch der Bedarf an Trainingszeiten und einer entsprechenden Infrastruktur.

Das Sterneprogramm als Maßstab für die Nachwuchsarbeit

Das 5 Sterne Programm des Deutschen Eishockey Bundes begleitet die Nachwuchsarbeit der deutschen Eishockeyvereine bereits seit 2016. Ziel ist es, verbindliche Qualitätsstandards für die Ausbildung junger Spielerinnen und Spieler zu schaffen und die Vereine bei ihrer langfristigen Entwicklung zu unterstützen.

Bewertet werden dabei die Bereiche START, U13 und U15, U17, U20 sowie das Umfeld des jeweiligen Standortes. Insgesamt können fünf Sterne erreicht werden. Für einen Stern in einem Bereich müssen mindestens 80 Prozent der dort möglichen Punkte erfüllt werden. Neben den Trainingsinhalten spielen unter anderem die Qualifikation und Anzahl der Trainer, die Nachwuchsgewinnung, die individuelle Förderung und die vorhandene Infrastruktur eine Rolle.

Der EVD erfüllt derzeit die Voraussetzungen für drei Sterne. Eine wichtige Grundlage dafür ist die Verfügbarkeit von Eis über einen ausreichend langen Zeitraum.

„Das haben wir zuletzt geschafft, weil wir Eiszeiten hier in Duisburg zusätzlich angemietet haben“, erklärt der zweite stellvertretende Vorsitzende Christian Ohler.

Acht Monate tatsächlicher Trainingsbetrieb auf dem Eis sind im Kriterienkatalog des Sterneprogramms als wichtiger Bestandteil für einen kontinuierlichen Leistungsaufbau vorgesehen. Gerade an Standorten mit nur einer Eisfläche stellt dies eine besondere Herausforderung dar.

DEB entwickelt Nachwuchsförderung weiter

Der Deutsche Eishockey Bund arbeitet derzeit zudem an einer umfassenden Weiterentwicklung seiner Nachwuchsstrukturen. Das bestehende Sterneprogramm soll dabei weiterentwickelt werden. Bereits zur Saison 2027/2028 soll außerdem ein neues Zulassungsverfahren für die Meldeligen U15, U17 und U20 eingeführt werden.

Künftig soll nicht allein das sportliche Abschneiden einer Mannschaft darüber entscheiden, in welcher Liga ein Standort vertreten ist. Im Mittelpunkt steht stärker die Qualität der gesamten Nachwuchsausbildung.

Das geplante Verfahren besteht aus zwei Stufen. Zunächst müssen verbindliche Mindestanforderungen erfüllt werden. Dazu gehören unter anderem Eisverfügbarkeit, Trainerlizenzen, medizinische Versorgung und Athletenschutz. Für die höheren Altersklassen kommen Anforderungen wie Kooperationen mit Schulen oder Ausbildungsbetrieben sowie eine geregelte Verbindung zum Seniorenbereich hinzu.

Anschließend sollen die Standorte in sieben Bereichen bewertet werden. Dazu zählen Ausbildungs und Trainingskonzept, Trainer und Personalqualität, Bildung und Unterbringung, Infrastruktur, Spielbetrieb und Durchlässigkeit, Organisation und Finanzen sowie Entwicklungsnachweis und Athletenwohl. Der DEB betont ausdrücklich, dass Ausbildungsqualität und Trainerarbeit stärker gewichtet werden sollen als die reine Infrastruktur.

Auch das Sterneprogramm selbst entwickelt sich weiter. So soll die Position eines Head of Coaches künftig eine größere Rolle spielen. Außerdem setzt der DEB verstärkt auf hauptamtliche Trainer im Grundlagenbereich. Ziel ist eine einheitlichere Ausbildung und eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Trainer innerhalb der Vereine.

Für den EVD sind viele dieser Themen bereits heute Bestandteil der täglichen Nachwuchsarbeit. Drei hauptamtliche Nachwuchstrainer arbeiten derzeit für die Jungfüchse. Hinzu kommt ein eigenes Torwarttraining.

„Das leitet bei uns Thomas Pedarnig, der den dafür nötigen Trainerschein erworben hat. Mit Lukas Lang steht ihm ein früherer DEL-Torhüter zur Seite“, erklärt Daniel Galonska.

Auch beim Torwarttraining verfolgt der Verein einen klaren Ansatz. Zusätzliche Trainingskosten sollen für die Familien nicht entstehen.

„Aber wir sind der Meinung, dass dies bei Torhütern und deren Eltern im Mitgliedsbeitrag enthalten sein muss, wenn wir sie zu Torhütern ausbilden wollen. Die Eltern zahlen aufgrund der teuren Ausrüstung ohnehin schon viel Geld“, sagt Christian Ohler.

Acht Monate Eis bleiben ein entscheidender Faktor

Damit der EVD seine Nachwuchsarbeit auf diesem Niveau fortsetzen und weiterentwickeln kann, benötigt der Verein entsprechende Rahmenbedingungen.

„Wir sind in sehr guten und sehr angenehmen Gesprächen mit Eishallen-Geschäftsführer Tom Södler und Duisburg-Sport“, erklärt Christian Ohler.

Für die Verantwortlichen steht fest, dass der EVD seinen eingeschlagenen Weg fortsetzen möchte.

„Wir werden uns in jedem Fall für die DEB-Nachwuchsligen unter den neuen Voraussetzungen des Verbandes bewerben.“

Der sportliche Anspruch ist dabei klar. Die U20 der Jungfüchse spielt derzeit in der DNL Division III. Gleichzeitig reicht das Einzugsgebiet des Duisburger Nachwuchses inzwischen weit über die Stadtgrenzen hinaus. Spieler nehmen für Training und Spiele teilweise weite Wege auf sich.

Daniel Galonska beschreibt die Position des EVD im nordrhein westfälischen Nachwuchseishockey mit einem Augenzwinkern: „Wir blinken aber schon links“.

Dahinter steht ein ernsthaftes Ziel. Der Standort Duisburg soll sich kontinuierlich weiterentwickeln und den Abstand zu den großen Nachwuchsstandorten in Nordrhein Westfalen weiter verkürzen.

„Aber das geht nur, wenn wir unser Niveau ständig verbessern. Dazu brauchen wir die acht Monate Eis, um die drei Sterne und damit die Zugehörigkeit zu den DEB-Ligen halten zu können“, betont Galonska.

Zwei Eisflächen schaffen neue Perspektiven

Eine besondere Bedeutung hat deshalb die geplante neue Duisburger Eissporthalle. Mit zwei großen Eisflächen würden sich für den Nachwuchs erstmals Möglichkeiten eröffnen, die am heutigen Standort mit nur einer Eisfläche nicht vorhanden sind.

Davon könnten alle Altersklassen profitieren. Zusätzliche Trainingszeiten, eine bessere Verteilung der Mannschaften und weitere Angebote wären möglich. Auch die Entwicklung des Mädchen und Fraueneishockeys könnte dadurch neue Perspektiven erhalten.

„Natürlich denken wir auch darüber nach, wieder eine Frauen-Mannschaft ins Rennen zu schicken, aber das ist aktuell mit nur einer Eisfläche nicht machbar“, erklärt Christian Ohler.

Die inzwischen 25 Spielerinnen im Nachwuchs zeigen, dass auch in diesem Bereich Potenzial vorhanden ist.

Für den EVD geht es deshalb nicht allein darum, die aktuellen Anforderungen zu erfüllen. Entscheidend ist, die Nachwuchsarbeit langfristig so aufzustellen, dass junge Spielerinnen und Spieler in Duisburg vom ersten Kontakt mit dem Eishockey bis in den Leistungs und Seniorenbereich eine sportliche Perspektive erhalten.

„Wenn die neue Eissporthalle mit zwei Eisflächen da ist, wollen wir die neuen Chancen von Beginn an optimal nutzen“, sagt Christian Ohler.

Bis dahin bleibt die Sicherung ausreichender Eiszeiten eine der wichtigsten Aufgaben. Denn die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt deutlich: Der Duisburger Nachwuchs wächst und mit ihm wachsen auch die Anforderungen an einen leistungsfähigen Eishockeystandort.

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